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Zwischen Flapsigkeit und Realität: ADHS, das Messie-Syndrom und Zwangsstörungen

Wer hat nicht schon einmal gehört oder selbst gesagt: „Ein bisschen ADHS hat doch jeder!“, „Ich bin so ein Messie!“, oder „Der Monk in mir muss es perfekt machen“?


Pheew, wenn du mich jetzt sehen könntest: Bei solchen Aussagen verdreh’ ich die Augen maximal, ich spüre wie sich etwas Wut in mir breit macht und ich durchatmen muss, um ruhig auf mein Gegenüber zu reagieren.

 

Das alles sind Laienaussagen. Oft unbedacht, seltenst böswillig.

Aber sie verletzen jene, die tatsächlich betroffen sind, denn sie banalisieren die Herausforderungen dieser Menschen.

 

Schauen wir uns das mal genauer an:


ADHS: Ein Kampf gegen unsichtbare Hürden

Ein bisschen ADHS hat doch jeder!“

AD(H)S ist keine spaßige Selbstdiagnose für etwas verpeilte Leute. Salopp gesagt, funktioniert ihr Gehirn anders. Und das in einer Welt, die auf Nicht-AD(H)S-Gehirne ausgerichtet ist.

Betroffene leiden darunter, dass sie für die Alltagsbewältigung – für Abläufe, die Planung, Priorisieren und Fokus benötigen – wesentlich mehr Disziplin aufwenden, mehr Energie verbrauchen und in diesen Bereichen nur mit größter Mühe dieselben Ergebnisse wie neurotypische Menschen erzielen können.

Das ist anstrengend.

Das ist frustrierend.

Wenn du der Meinung bist, ADHS sei eine Modediagnose oder eine „Erfindung der Pharmaindustrie“ dann lies bitte einen anderern Blog.

Hier wird nämlich in nächster Zeit noch mehr zum Thema kommen. Gerade lerne ich für das Level II Certificate of Study in ADHD am Institute for Challenging Disorganiziation.


Die Wertbeimessungsstörung (Hoarding Syndrome)

„Och, ich bin so ein Messie!“

Nur weil das Geschirr mal stehen bleibt, der Wäschekorb überläuft und du sowohl Briefmarken als auch Blumensamen und Porzellanfiguren sammelst, bist du kein Messie.

Menschen mit einer Wertbeimessungsstörung (das ist der korrekte Ausdruck für das umgangssprachliche Messie-Syndrom) sammeln nicht einfach gerne. Auch sie sind nicht „einfach zu faul oder nicht diszipliniert genug“.

Die Wertbeimessungsstörung ist gekennzeichnet durch:

  • Anhaltende Schwierigkeiten, Besitztümer wegzuwerfen oder sich von ihnen zu trennen, unabhängig von ihrem tatsächlichen Wert.

  • Wahrgenommene Notwendigkeit, die Gegenstände aufzubewahren und eine Belastung (z.B. Stress, Angst, Traurigkeit), die mit dem Wegwerfen dieser Gegenstände verbunden ist.

  • Dies führt zu einer Anhäufung von Besitztümern, die aktive Wohnbereiche überladen, unzugänglich machen und deren beabsichtigte Nutzung erheblich beeinträchtigen.

  • Das Horten verursacht klinisch erhebliche Belastungen oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen (einschließlich der Aufrechterhaltung einer sicheren Umgebung, die für sich selbst und andere sicher ist).

  • Das Horten ist nicht auf eine andere Erkrankung zurückzuführen oder nicht besser durch die Symptome einer anderer psychischen Störung erklären (z.B. Zwangsstörungen, Depressionen, Wahnvorstellungen, Suchterkrankung, neurokognitiven Störungen).

Salopp gesagt, ist es Menschen mit einer Wertbeimessungsstörung schwer bis nicht möglich, Dinge loszulassen. Sie empfinden seelische Schmerzen dabei.

Das – durch für sie aufräumen und Dinge, am schlimmsten in deren Abwesenheit, wegzuwerfen – zu übergehen, ist das schlimmste, was man tun kann.

Nicht nur werden dabei klare Grenzen überschritten, denn kein Mensch, der unter einer Wertbeimessungsstörung leidet, möchte diese Kontrolle abgeben. In den meisten Fällen führt es zu einer Verstärkung der Symptome und zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustands.

„Ich bin so ein Messie“ hat im Wortgebrauch von Nicht-Betroffenen nichts zu suchen.

Für Betroffene gibt es leider nach wie vor zu wenige Anlaufstellen, Selbsthilfegruppen, aufgeklärte HausärztInnen, freie Therapieplätze.

Die Scham ist groß und macht das um Hilfe bitten im Umfeld (bei der Suche nach geeigneter Unterstützung, nicht beim Aufräumen!) sehr schwer.

Da gibt es für uns als Gesellschaft noch viel zu tun.


Zwangsstörungen: Keine Marotte, sondern eine Belastung

„Der Monk in mir muss es perfekt machen.“

Dieser Satz wird häufig verwendet, wenn jemand beispielsweise Stifte gerne in Reih und Glied liegen sieht, Bilderrahmen gerade rückt oder Bücher nach Farbe sortiert – sprich ein Bedürfnis nach Ordnung, Struktur, Symmetrie hat.

„Monk“ referenziert auf den Protagonisten Adrian Monk in der Polizeiserie „Monk“. Er ist intelligent, hat einen detaillierten Blick und leidet neben einigen Phobien unter Zwangsstörungen. Diese Kombination verhilft ihm in der Serie knifflige Fälle zu lösen.

Wer nicht mehr aus dem Haus kommt, weil er oder sie mehrfach kontrollieren muss, ob das Bild immer noch gerade hängt, wird durch die Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen enorm in seinem Alltag eingeschränkt.

Ganz ohne Vorteile wie ein begnadeter, Fälle lösender Kommissar zu sein.

Eigentlich müsste es also heißen: „Der unter einer ernstzunehmenden psychischen Erkrankung Leidende in mir kann nicht anderes, als es perfekt zu machen.“

Ich möchte hier kein „Finger pointing“ machen.

Es geht nicht darum, mit dir oder mir selbst zu schimpfen, wenn du die ein oder andere Formulierung schonmal gedankenlos verwendet hast.

Ja, ich hab das früher, bevor ich mich mit den Themen intensiv auseinandergesetzt habe, auch gemacht. Ich wusste es nicht besser.

Es geht mir darum, aufzuklären und ein Bewusstsein, eine „Awareness“, zu schaffen.

Erst wenn wir verstehen, was sich hinter den jeweiligen Herausforderungen verbirgt, welchen Anteil sie an anhaltender Unordnung haben können, ist es möglich, mit – nicht gegen – diesen Gegebenheiten zu arbeiten.

Mit einem offenen Herzen und dem Wunsch nach einem tieferen Verständnis,


Deine Sarah




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