• Sarah Kiefer

Ich hab dein Geschenk weggeworfen!

Aktualisiert: Nov 12

Weihnachten steht vor der Tür und damit auch die Erwartung, Geschenke für die Liebsten zu finden. Viele von uns befinden sich in der glücklichen Lage, sich mit zunehmendem Alter auch mehr selbst leisten zu können. Wir kaufen uns, was uns gefällt, dann wenn wir es wollen. Wir müssen nicht mehr bis zum Weihnachtsfest abwarten, bis uns dieser Wunsch endlich erfüllt wird.


Dennoch werden zu Weihnachten Geschenke getauscht. Doch was, wenn einem das Geschenk garnicht gefällt? Und wie macht man selbst gute Geschenke?


In diesem Artikel erfährst du:

  • Warum wir schenken

  • Warum es so schwer ist, Erwachsene zu beschenken

  • Darf man wirklich wegwerfen?

  • 5 Tipps für richtig gute Geschenke


Wieso schenken wir?


Ethnologisch und Sozialkulturell dient der Austausch von Gegenständen der Bildung und Stabilisierung der Beziehung zueinander. Neurowissenschaftlich wird vermutet, dass vor allem der Schenkende vom Schenken profitiert - er bereichert sich an der Freude die der Beschenkte empfindet. Diese Freude ist die Selbstbestätigung der Originalität des Schenkenden. Aus christlicher Sicht ist das Schenken Symbol der Vorfreude auf das Reich Gottes.


Erst seit 1900 überreicht man zu Weihnachten Geschenke. Zu Anfang schenkte man noch nützliche Alltags- und Gebrauchsgegenstände. Mit dem zunehmendem Reichtum war das nicht mehr nötig und so schenken wir heute "Extras".


Erwachsene beschenken, die schon alles haben


Spätestens im Erwachsenenalter sind - zumindest die meisten in unserer westlichen Welt - mit allem ausgestattet, was sie zum Leben benötigen plus ein bisschen mehr. Idealerweise ist heute ein Geschenk etwas, das sich der Beschenkte selbst kaufen würde, wüsste er, dass es diesen Gegenstand gibt. Doch genau das ist ja garnicht so einfach.


Und so erhalten wir Geschenke, die knapp oder großzügig an dem vorbei schrammen, was unseren Geschmack trifft. Bei meiner Arbeit mit Kunden stoßen wir immer wieder auch auf solche Dinge. Dann höre ich oft "Das kann ich nicht weggeben, das war ein Geschenk."


Das Geschenk als Instrument


Der Besitzer eines Gegenstands misst dem Gegenstand seinen Wert zu. Ein Stein ist ein Stein. Ein Stein, den dein Sohn bei einem besonders schönen Ausflug gefunden hat und dir freudestrahlend überreicht ist für dich und für ihn mehr als ein Stein. Dem Stein ist das egal.

"Der wahre Zweck eines Geschenks ist es, empfangen zu werden." Marie Kondo

Gehen wir davon aus, dass der Schenkende und der Beschenkte in einer wohlwollenden Beziehung zueinander stehen und nicht aus einem Verpflichtungsgefühl geschenkt wurde: Was der Schenkende sagen möchte: "Ich möchte dir zeigen, dass du mir wichtig bist. Ich habe mir Gedanken gemacht, was dich erfreuen könnte, ich habe an dich gedacht, ich möchte dir etwas Gutes tun."

Was der Schenkende tut: Er kauft etwas, packt es schön ein und übergibt es dem Empfänger.


An einem - äußerlich - unpassenden Geschenk aus einem Schuldgefühl heraus festzuhalten, ist also das Gegenteil von dem was der Schenkende möchte. Dadurch, dass wir das Geschenk behalten, obwohl es uns nicht gefällt, machen wir die Geste nicht wertvoller. Wenn wir uns davon trennen, entwerten wir den Akt des Schenkens aber auch nicht.


In dem Moment in dem das Geschenk übergeben wurde, hat es seinen Zweck erfüllt. Der materielle Gegenstand - als Instrument um dem anderen zu zeigen, dass man ihn schätzt -muss also garnicht aufbewahrt werden.


Wegwerfen? Echt jetzt?


Zwischen behalten und wegwerfen gibt es ja noch weitere Optionen. Vielleicht findest du eine zweckfremde Verwendung, so dass du visuell weiterhin von der Geste zehren kannst. Eine Vase oder eine dekorative Schale, kann beispielsweise als schöne Aufbewahrung für Waschmittel dienen oder zum Übertopf für eine Balkonpflanze werden.


Wenn du für das Geschenk keine andere Verwendung in deinem zuhause finden kannst, gib es nicht einfach weg. Versuche es mit der selben Freude, mit der es zu dir gekommen ist, auch weiterzugeben. Frage dich, wem du damit ein schönes Gefühl geben kannst, wem du eine Freude bereiten kannst.


Und wenn dir da auch niemand einfällt, dann kannst du das Geschenk - es sollte ja noch neuwertig und kaum gebraucht sein - spenden. Oft sträubt sich etwas in uns gegen das Spenden. Uns ist es lieber, wir kennen den neuen Besitzer. Wir glauben dann, unseren Gegenstand in guten Händen zu wissen. Ein Stein ist ein Stein.


Dennoch versuche ich mir immer dann, wenn ich Dinge zum Sozialkaufhaus bringe, vorzustellen, wie jemand das Teil entdeckt und mit großer Freude mit nach Hause nimmt. Oder es verschenkt. Ist das nicht ein schöner Gedanke? Ein Gegenstand wird wieder und wieder zum Instrument um zu sagen: "Ich hab an dich gedacht!"


Nun hast du das Geschenk aus dem Haus geschafft. Bravo!


Was wenn der "Schenker" kommt?


Ich kenne Haushalte, in denen es Schränken gibt, mit Dingen, die bei der Ankündigung eines Besuchs hervorgeholt werden, um danach wieder in eben diesem Schrank zu verschwinden. Was für eine Platz- und Energieverschwendung!

Meine Meinung dazu ist folgende: Stehst du dem Schenkenden nahe, so sollte es in dieser Beziehung möglich sein, mit lieben, anerkennenden Worten mitzuteilen, dass das Geschenk leider nicht deinen Geschmack trifft. Bedanke dich aber als allererstes aufrichtig für die Geste! Dann kannst du fragen, ob es möglich wäre, das Geschenk umzutauschen oder mach einen Vorschlag, wer sich darüber freuen würde.


Keine Frage, dazu gehört Mut. Aber er wird sich lohnen, auch um für die Zukunft den Geschenkedomino-Effekt zu verhindern. Den was? Eine Freundin von mir hat einmal von einem Familienmitglied ein Plüsch-Einhorn geschenkt bekommen. Sie hat sich - wie sich das gehört - bedankt und wohl etwas zu überschwänglich das tolle Geschenk gelobt. Seither bekommt sie zu jeder Gelegenheit von allen Familienmitgliedern Einhörner in allen verfügbaren Dimensionen und Erscheinungsformen. Einhorn-Geschirr, Einhorn-Decken, Einhorn-Süßigkeiten, Einhorn-Schlüsselanhänger, Einhorn-ich-weiß-nicht-was. Dabei ist sie gar kein Einhorn-Fan. Schwierig, aus der Nummer je wieder rauszukommen.


5 Tipps für richtig gute Geschenke

Aber wie macht man denn nun Geschenke, die gut ankommen?

  1. Sprecht miteinander. Sucht frühzeitig das Gespräch und tauscht euch aus, ob und in welcher Form ihr euch gegenseitig beschenken möchtet. So kannst du auch unangenehme Situationen vermeiden, in der einer eine Kleinigkeit als Geste besorgt und der andere tief in die Tasche greift, weil nicht klar war, in welchem Ausmaß ihr euch beschenken möchtet. Vielleicht möchtet ihr euch auch gegenseitig Zeit schenken. In der Glücksforschung ist schon lange bekannt, dass Erlebnisse und Erinnerungen uns glücklicher machen, als Gegenstände. Findet einen Termin für ein gemeinsamen Ausflug, einen Wochenendtrip oder ein gemeinsames Abendessen. Für den Fall dass es doch ein Gegenstand sein soll:

  2. Führe das Jahr über eine Geschenkeliste Wenn eine Freundin oder ein Freund etwas erwähnt, das sie/er gerne hätte, sich aber selbst nicht gegönnt hat oder etwas das sie/er irgendwo gesehen oder gehört hat, notiere es dir. Oder wenn du etwas siehst, das dich an diese Person denken lässt, kaufe es direkt oder notiere es dir für später. Das nimmt dir eine ganze Menge Stress in der Vorweihnachtszeit.

  3. Beobachte und höre gut zu. Hat deine Freundin eine stressige Zeit auf der Arbeit hinter sich, liebt alles mit Vanille und geht gerne ins Thermalbad, so würde sie sich wahrscheinlich über ein Duftbad mit Vanillenote zur Entspannung am Feierabend freuen. Wenn du dir selbst erklären kannst, welcher Aspekt des Geschenks zur Persönlichkeit des Beschenkten passt, hast du das richtige Geschenk gefunden.

  4. Schreib einen Wunschzettel. Um richtig gute Geschenke zu erhalten, darfst du dir auch als Erwachsener noch einen Wunschzettel schreiben. Dinge die du dir selbst vielleicht nicht unbedingt - unabhängig vom Preis - gönnen würdest, dir aber eine Freude bereiten würden. Du bist in der Verantwortung das klar zu kommunizieren, und die Person die dir etwas schenken möchte, wird froh um deinen konkreten Wunsch sein.

  5. Hab Mut, nichts zu schenken! Ein aufrichtiges "Ich hab dieses Jahr nichts passendes gefunden. Und bevor ich dir irgendetwas schenke, dass dann vielleicht nur bei dir rumsteht würde ich dich gerne das nächste mal einladen, wenn wir zusammen unterwegs sind." ist allemal besser, als eine Einhorn-Decke.

Eine schöne Weihnachtszeit und viel Freude beim Schenken und beschenkt werden.

Viele ordentliche Grüße,

Sarah


Sarah Kiefer

Dein Ordnungscoach für Lörrach, Freiburg, Waldshut, den Schwarzwald, Basel, Aargau, Solothurn, Zürich und das Elsass​.

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